Konzeptionelle Forschungsinfrastruktur
HISTONETICA versteht Innovation nicht als technisches Upgrade bestehender Forschungspraxen, sondern als konzeptionelle Neuausrichtung historischer Erkenntnisprozesse. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass historische Forschung nicht allein durch die Auswertung einzelner Quellen voranschreitet, sondern durch die Analyse der Strukturen, in denen historisches Wissen entsteht, zirkuliert und transformiert wird.
Diese konzeptionelle Perspektive erfordert methodische Ansätze, die historische Quellen nicht isoliert behandeln, sondern als Bestandteile relationaler Systeme erfassen. Digitale Methoden sind dabei nicht additiv eingesetzt, sondern integraler Bestandteil der Erkenntnisproduktion: Sie ermöglichen es, komplexe historische Zusammenhänge systematisch zu modellieren, vergleichbar zu machen und über unterschiedliche Kontexte hinweg zu analysieren.
Auf dieser Grundlage betreibt HISTONETICA eine eigenständige Forschungsumgebung, die auf langfristige Stabilität, Nachvollziehbarkeit und Skalierbarkeit ausgelegt ist. Zentrale Komponenten sind relationale Datenstrukturen zur Modellierung historischer Zusammenhänge sowie kontrollierte Verfahren zur Digitalisierung und Erschließung komplexer Quellenbestände.
Wissenschaftliche Integrität bildet dabei die Grundlage aller Entwicklungen bei HISTONETICA. Transparenz, Provenienz und Nachvollziehbarkeit sind zentrale Prinzipien der Forschungsarchitektur: Jede Quelle bleibt in ihrer Herkunft und Struktur rekonstruierbar, jede Analyse überprüfbar.
Unser Beitrag zeigt sich auf mehreren Ebenen
01 — Forschung
Neue Fragestellungen durch relationale Analyse historischer Prozesse
HISTONETICA ermöglicht Forschungsfragen, die über die Analyse einzelner Quellen hinausgehen. Durch relationale Modellierung werden historische Dynamiken sichtbar, die sich erst im Zusammenspiel von Akteur:innen, Institutionen, Orten und Materialien erschließen.
02 — Bildung
Vermittlung historischer Komplexität jenseits linearer Narrative
Die entwickelten Modelle und Darstellungen eröffnen neue Formen der Lehre und Wissensvermittlung. Geschichte wird nicht als Abfolge isolierter Ereignisse vermittelt, sondern als vernetzter Prozess historischer Wissensbildung.
03 — Gesellschaft
Sichtbarmachung historischer Beziehungsgeflechte
HISTONETICA trägt zu einer reflektierten Erinnerungskultur bei, indem es zeigt, wie Wissen entsteht, zirkuliert und institutionell geprägt wird. Historische Zusammenhänge werden nachvollziehbar, überprüfbar und öffentlich anschlussfähig.
04 — Technologie
Digitale Systeme als epistemische Werkzeuge
Die technische Infrastruktur von HISTONETICA ist kein Selbstzweck, sondern Teil der Erkenntnisproduktion. Sie übersetzt konzeptionelle Modelle in stabile, dokumentierte Systeme, die historische Analyse skalierbar und reproduzierbar machen.
Von der Quelle zur Erkenntnis
Phase 1 - Digitale Erschließung
Historische Quellen werden in strukturierter Form erschlossen und in eine analysierbare Datenbasis überführt. Ziel ist nicht die bloße Reproduktion des Originals, sondern die kontrollierte Transformation von Quellenmaterial in eine Grundlage historischer Analyse.
Phase 2 - Strukturierung und Analyse
Die erschlossenen Daten werden geordnet, kontextualisiert und systematisch in Beziehung gesetzt. Dadurch entstehen analysierbare Strukturen, in denen historische Informationen nicht isoliert vorliegen, sondern als Teil größerer Zusammenhänge interpretierbar werden.
Phase 3 - Relationale Modellierung
Akteur:innen, Orte, Institutionen, Objekte und Ereignisse werden in relationale Wissensmodelle integriert. Diese Modellierung macht historische Dynamiken sichtbar, die sich erst aus der Verknüpfung verschiedener Ebenen und Kontexte ergeben.
Phase 4 - Interpretation und Veröffentlichung
Die gewonnenen Modelle und Analysen werden in geeigneten Darstellungsformen zugänglich gemacht. Visualisierungen, Netzwerke und Texte dienen dabei nicht der Illustration, sondern der wissenschaftlichen Interpretation und Vermittlung historischer Prozesse.