Histonetica_Schriftzug
versteht Forschung als dynamischen Prozess historischer Wissensbildung

Forschungsansatz

HISTONETICA begreift historische Forschung als Analyse von Relationengefügen. Untersucht werden nicht isolierte Quellen, sondern Konstellationen von Akteur:innen, Institutionen, Orten, Begriffen und Medien, in denen historisches Wissen entsteht, zirkuliert und transformiert wird. Der Forschungsansatz zielt darauf, diese Strukturen systematisch zu modellieren und vergleichbar zu machen. Digitale Verfahren dienen dabei nicht der bloßen Erfassung von Quellen, sondern der Rekonstruktion historischer Prozesse über zeitliche, räumliche und institutionelle Kontexte hinweg. Forschung bei HISTONETICA ist damit auf Prozesshaftigkeit, Vergleichbarkeit und Skalierbarkeit angelegt und verbindet konzeptionelle Modellbildung mit empirischer Analyse.

Aktuelle Forschung

Wiener Botanik und Sammlungen

Das Projekt untersucht Wissensproduktion und Materialzirkulation in den botanischen Wissenschaften Wiens zwischen 1879 und 2025. Im Zentrum stehen die Herbarien der Universität Wien (WU) und des Naturhistorischen Museums von Wien (W) als epistemische Infrastrukturen, die an der Herausbildung wissenschaftlicher Ordnungssysteme beteiligt sind.

Imperiale Wissensordnungen und koloniale Forschungskontexte

Die Forschung analysiert die Struktur wissenschaftlicher Wissenszirkulation in kolonialen und postkolonialen Kontexten. Untersucht wird, wie Expeditionen, institutionelle Netzwerke und Sammlungspraktiken zur Stabilisierung globaler Wissensordnungen beitrugen und welche langfristigen Ordnungseffekte diese Konstellationen entfalten und bis in die Gegenwart wirksam sind.

Metadatenbasierte Rekonstruktion botanischer Forschungsnetzwerke

Im Zentrum steht die empirische Rekonstruktion botanischer Forschungspraxis anhand historischer Verwaltungs- und Sammlungsmetadaten. Handschriftlich geführte Dokumentations-, Entlehnungs- und Erwerbsbücher des Herbariums des Naturhistorischen Museums Wien (W) sowie des Herbariums der Universität Wien (WU) werden systematisch digitalisiert und in einer relationalen Datenbank erschlossen. Auf dieser Grundlage lassen sich Forschungsbewegungen, Tauschbeziehungen und institutionelle Netzwerke über Zeit, Raum und Pflanzengruppen hinweg rekonstruieren. Sichtbar werden historische Forschungsschwerpunkte, personelle und institutionelle Verflechtungen sowie die Entwicklung der Sammlungen als wissenschaftliche Arbeitsinstrumente.

Digitalisierung botanischer Sammlungen und Nutzungspraxis

Die Forschung analysiert, wie sich durch die Digitalisierung botanischer Sammlungen die Nutzung, Entlehnung und Referenzierung von Herbarbelegen verändert. Im Fokus stehen dabei das Herbarium des Naturhistorischen Museums Wien (W), das Herbarium der Universität Wien (WU) sowie die botanisch-taxonomische Datenbank JACQ als zentrale digitale Infrastruktur für Sammlungs- und Forschungsdaten. Untersucht wird, wie sich durch die parallele Existenz physischer Herbarien und digitaler Referenzsysteme veränderte Entlehnungs- und Zugriffspraktiken herausbilden und welche Auswirkungen diese auf Nutzung, Sichtbarkeit und institutionelle Arbeitsweisen botanischer Sammlungen haben.